Positives Denken
und astrologische Prognose
Die Nutzanwendung des Erfüllungszwanges
Das psychologische
Phänomen des Erfüllungszwanges wird vor allem als Argument
gegen den Gebrauch des Horoskops verwendet. Kritiker behaupten, dass
das Wissen um künftige schlechte Zeiten den Besitzer eines Horoskops
bewusst oder unbewußt belaste und dass dieser dann auch diese
schlecht erlebe. Diesem Sachverhalt ist nicht zu widersprechen.
Gerade deshalb kommt es darauf an, wie eine Prognose formuliert
wird. Das aber ist keine Sache, die auf das Konto der Astrologie
geht, sondern die allein vom Bildungsgrad des Deuters abhängt, von
seiner Fähigkeit sich mündlich oder schriftlich auszudrücken und von
seinem Gefühl, zu wissen wie und was man sagt.
Der rechte Umgang mit einem Horoskop nimmt Rücksicht auf das
psychologische Phänomen des Erfüllungszwangs. Ja, es ist direkt zu
fordern, ihn in den Dienst der Sache zu stellen. Allerdings darf das
nicht so weit gehen, dass der Astrologe sich zum Vordenker seines
Klienten aufwirft. Er kann ihm aber aus seiner Sachkenntnis heraus
Wege zu einer besseren Lebensführung zeigen, ihm zum rechten
Know-how des Horoskopstudiums und der daraus abzuleitenden
Folgerungen verhelfen. Gemeint ist damit das "positive Denken", wie
es u.a. aus den USA kommend, gelehrt wird.
"Jeder kann durch positives Denken sein Glück machen und
Wunder geschehen lassen", sagt Dr. Joseph Murphy,
studierter Theologe, Rechts- und Naturwissenschaftler. In
ungezählten Vorträgen und durch die Millionen seiner Bücher hat er
einen für jeden gangbaren Weg gewiesen, um sich die innigsten
Wünsche zu realisieren, Gesundheit, Reichtum, den richtigen Partner,
Ehe- und Familienglück, Ehre, Anerkennung und ein erfülltes Leben.
Murphy berichtet von Hunderten Menschen, die durch seine Methode
zutiefst glücklich wurden.
Steht das nicht im Widerspruch zum Horoskop? Keineswegs; Astrologie
schließt doch nicht aus, dass jeder glücklich werden kann. Eher ist
es eine Terminfrage, weil nach astrologischer Erkenntnis die
Qualität der Zeit im Leben eine ausschlaggebende Rolle spielt. Es
ist eine grundlegende Erkenntnis, die der Umgang mit dem Horoskop
lehrt, dass die Ausgangsbasis für den späteren Lebensweg der
Menschen sehr unterschiedlich ist, dass es demnach keine
Chancengleichheit gibt, sowohl was die individuellen
Startbedingungen angeht wie die Zeiten der Wunscherfüllung. Dem
entspricht auch, was wir an unseren Mitmenschen im Alltag
beobachten. Es hat alles seine Zeit, auch der
Gedanke, ein neues Leben zu beginnen, sich plötzlich dieses oder
jenes vorzunehmen, eine Trendwende einzuleiten.
Jeder geht seinen eigenen Weg und sieht das Leben durch seine ganz
persönliche Optik. Das steht nicht im Gegensatz zu den Auffassungen
des Amerikaners. Nicht jeder kommt durch das "positive Denken"
gleich rasch voran oder gar zum selben Ziel. Wer sich mit seinem
Horoskop schon auseinandergesetzt hat, wird
Joseph Murphys
Anliegen besser verstehen.
Dieser sagt: "In Ihrem Innern gibt es eine unendliche Kraft,
die Sie von allem Negativen heilen und befreien, die Ihnen den Weg
zu Glück und Wohlergehen öffnen kann. Wenn Sie lernen, diese
unendliche Kraft anzuzapfen und zu nutzen, werden Sie in Ihrem Leben
Wunderdinge erfahren, die Ihre kühnsten Träume übersteigen. Die
Grundvoraussetzungen dazu sind ein aufgeschlossener Geist und
intensives Verlangen nach einem wahrhaft erfüllten Leben."
Der Glaube kann Berge versetzen.
Was die Astrologie angeht, ist der Sachverhalt doch so: Direktionen
und Transite, auch das Solar als Rhythmogramm, lassen als Methoden
der astrologischen Prognose erkennen, in welcher Richtung die Trends
der Entwicklung eines bestimmten Menschen laufen, d.h. welche
Signale ihm gesetzt sind. Nehmen wir als ein praktisches Beispiel
an, dass jemand demnächst den Übergang des Saturns über den
Sonnenort zu erwarten hätte. Die traditionelle Deutung dieses
Transits heißt Verlust, Einschränkung, Isolation. Damit ist jedoch
nicht gesagt, dass es zu negativen Erlebnissen bzw. Ereignissen
dieser Art kommen müsste. Wohl wird der Betreffende dazu neigen,
doch "der Weise gebietet den Sternen".
Es hängt vom Stand der geistig-seelischen Entwicklung des
einzelnen ab, ob er eine Marionette des Schicksals wird,
bzw. wie weit seine Selbstbestimmung im Handeln geht. Der reine
Sinnenmensch, materialistisch eingestellt, konsum-orientiert, der
nur bestrebt ist, seine Triebe auszuleben, wird der "Gewalt der
Sterne" erliegen, besser gesagt, ein Opfer seiner Veranlagung
werden. Man findet diesen Typ des Primitiven in jeder
Gesellschaftsschicht, in jedem Beruf, ja selbst bloßes "Wissen"
genügt nicht, sich aus diesen Niederungen zu erheben.
Auf der höheren Stufe steht der Mensch, der sich von einem
zweckbewussten Intellekt leiten lässt. Er gebraucht seine Vernunft
und lebt nicht in den Tag hinein. Er versucht, sich auf die
Geschehnisse einzustellen, sie in gewisser Weise zu berechnen und
weiß auch "nein" zu sagen. Damit kann er manchem vorbeugen, was ihn
im anderen Falle schicksalhaft treffen könnte. Die meisten Menschen
gehören zur ersten oder zweiten Gruppe, wenige sind jene Asketen,
von denen die Inder sagen, dass sie unerfüllten Wünschen nicht
nachtrauern, dass sie wissen, dass wahrhaftes "Glück" nur in
unserem Innern zu finden ist und die damit auf alles
verzichten, was das Leben äußerlich angenehm macht.
Nun, Murphys Ratschläge werden vor allem von der zweiten Gruppe
angenommen werden. Er empfiehlt: Beginnen Sie damit, einen
Schluss-Strich unter Ihre negative Einstellung zu Ihrer
Vergangenheit zu ziehen. Unterlassen Sie jede
Selbstverurteilung, hören Sie auf, sich einen Versager zu nennen.
Sie müssen unbedingt das Gute in sich bejahen. Stellen Sie sich mit
allen Einzelheiten vor, was Sie wollen, malen Sie sich aus, wie
schön und erfüllt Ihr Leben sein wird.
Weiter: "Sagen Sie sich: ‚Ich weiß, dass ich Erfolg haben
kann. Ich werde erreichen, was ich mir vorgenommen habe.
Ich werde sein, was ich sein will. Und ich weiß, dass meine ehrliche
Entscheidung und tiefe Überzeugung Folgen haben wird. Ich weiß, dass
das Unterbewusstsein nie versagt und dass von ihm alles, was ich ihm
durch mein Denken und Glauben einpräge, zum Ausdruck gebracht und in
meinem Leben sichtbar gemacht wird.'"
Aus Murphys Worten spricht der praktisch denkende Amerikaner, ein
Pragmatiker, der das Leben nimmt wie es ist und der mit Hilfe des
positiv eingesetzten Erfüllungszwanges versucht, das Beste daraus zu
machen.
Jene mächtige Dynamik, die alles vermag, muss nur
aktiviert werden. Sie wirkt im Unterbewusstsein, das uns mit dem
Reservoir des Geistes verbindet, an dem alle Anteil haben. Nur darum
ist es möglich, mit anderen in einen geistig-seelischen Kontakt zu
treten, deshalb funktioniert ja "PSI" oder ASW, d.h. "Außersinnliche
Wahrnehmungen" wie Telepathie, Hellsehen, Vorauswissen. Durch ASW
spüren wir intuitiv, was in einem anderen Menschen vorgeht oder wir
wissen plötzlich, wo wir etwas verloren haben. Auch Hellhören zählt
zu ASW. Wir vernehmen die innere Stimme, die aus der Quelle der
höchsten Weisheit stammt. In jedem von uns schlummern die Kräfte der
ASW. Wir müssen diese nur in den Dienst unserer Wünsche stellen.
Praktisch sieht das so aus, dass man sich eine kurze Formel ausdenkt
und sich diese mindestens dreimal täglich, vor allem vor dem
Einschlafen, vorspricht, damit sie in die Tiefe des
Unterbewusstseins hineinwirkt. Diese Worte bezeichnet Murphy als
Gebet zu Gott, der die Allmacht ist, der überall wirkt.
Murphy spricht aus seiner religiösen Überzeugung jeden persönlich
an: "Gott hat diese Erde mit allen ihren Reichtümern geschaffen, und
er hat auch Sie geschaffen. Er will, dass Sie daran Anteil haben.
Also verstehen Sie Ihre Wunschformel als Gebet, dass Ihnen die
unendliche Kraft zuteil wird. Gott ist die Liebe, und die
Liebe ist der Schlüssel zu allem Glück. Sehen Sie in der
Liebe zu Gott, die Liebe zu allem Guten, Schönen und Wahren. Wenn
Sie selbst zu den anderen Menschen gütig sind und ihnen helfen, so
wird das ein Echo für Sie bringen. Je mehr Liebe Sie geben, um so
mehr wird auf Sie zurückstrahlen. Die Wege des
Unterbewusstseins sind unerklärlich."
Es geht in erster Linie um die Aktivierung des Unterbewusstseins.
Dazu muss man keiner besonderen Konfession angehören. Doch wer
wüsste eine stärkere Formel zu nennen als ein Gebet? Selbst wer
außerhalb der Kirche steht, braucht sich nicht ausgeschlossen zu
fühlen, denn jeder hat Anteil am All-Einen, gleichgültig wie man es
nennt, ja wie man dazu steht.
Die Chinesen wussten um den großen Gegensatz von yang und yin, von
Mann und Frau, von Tag und Nacht, von hell und dunkel. Sie nannten
das Eine Tao, wir sagen Gott. Murphy: "Der absolute Zustand ist ein
Gefühl des Eins- und Ganzseins, doch als Gott die Welt erschuf,
erschuf er die Gegensätze, damit wir uns unserer Wahrnehmungen und
Empfindungen und damit der menschlichen Funktionen bewusst werden
können, was uns erst Lebensfreude finden und unsere wahre
Göttlichkeit entdecken lässt. Gott wird dem Menschen zur Freude,
indem er Gott in sich selbst entdeckt. Es gibt nur einen einzigen
Gott, und jeder Mensch ist eine Sichtbarwerdung Gottes." Wem
das zu religiös ist, halte sich an eine andere Definition,
die Murphy von Gott gibt: "Psychologisch gesehen wird Gott für Sie
das, als was Sie ihn betrachten. Es spielt dabei keine Rolle, bei
welchem Namen sie ihn nennen. Ob Sie ihn Heilige Dreifaltigkeit oder
den Schöpfer nennen, ob Allah, Brahma oder Wischnu, Überseele oder
Vorsehung, unendliche Weisheit oder Allgegenwart, Erschaffer des
Universums oder göttlicher Geist, höchstes Wesen, lebendiger Geist
oder schöpferische Allmacht - es tut nichts zur Sache." Nur
- es betet sich leichter zu "Gott" als zum Lebensprinzip.
Das Unterbewusstsein spricht auch im Traum zu uns. Seit jeher
achteten die Menschen auf ihre Träume. Das sollte jeder tun.
Vielleicht erhält man schon sehr bald eine Antwort auf das fragliche
Problem. Da unser Geist Anteil hat am Geist aller, kann ein Traum
auch Hinweise auf jene Person geben, für die man gebetet hat. Noch
wunderbarer aber ist, dass auch andere Menschen einem die Erfüllung
eines Gebetswunsches ermöglichen können. Murphy: "Überantworten Sie
sich Gott, überlassen Sie ihm, Ihr Problem zu klären. Ihr Denken und
Ihr Gebet sind dasselbe. Ihre ganze "Therapie" ist es, fest
an die göttliche Kraft Ihres Unterbewusstseins zu glauben und
unerschütterlich überzeugt zu sein, dass sich Ihr Wunsch realisieren
wird."
Jeder hat es in der Hand, zu bekommen, was er wünscht. Es ist
gewissermaßen nur eine Verfahrensfrage. Grundlegend ist das
kosmische Führungsprinzip. Man entdeckt es, indem man daran glaubt,
denn dann wirkt es.
Zitate von
Alexander von Prónay und Dr. Joseph Murphy, studierter Theologe,
Rechts- und Naturwissenschaftler
Literatur:
Dr. Joseph
Murphy und andere Schriftsteller
Ein sehr gutes Buch, das ich immer wieder weiterempfehle:
["Schicksal als
Chance" von Thorwald Dethlefsen]
Hier gibt es eine
[Leseprobe]

seit 1984
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Matthäus erzählt in
seinem Evangelium auch die Geschichte von der
Verfluchung des Feigenbaumes:
Am Tag nach seinem triumphalen Einzug in Jerusalem,
dem „Palmsonntag", also nur wenige Tage vor seinem
Tod, kam Jesus von Bethanien her wieder auf
Jerusalem zu. Er hatte Hunger, berichtete Matthäus,
ging deshalb auf einen Feigenbaum zu und suchte ihn
nach reifen Früchten ab. Doch er fand nichts als
üppig wuchernde Blätter. Da verfluchte er den Baum:
In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen!"
Und auf der Stelle verdorrte der Baum.
(Matthäus 21,19)
Der Glaube, der Berge versetzt
Der Evangelist Markus
erzählt die Episode ein wenig anders. Seiner
Darstellung nach (Markus 11,12-14) war der
Feigenbaum erst verdorrt, als sie abends wieder an
ihm vorbeikamen. Markus setzt seinem Bericht auch
die offensichtlich verwunderte Bemerkung hinzu: Der
Baum konnte ja gar keine Früchte tragen - es war ja
noch nicht einmal Ostern, nicht Erntezeit.
Ein ungerechter,
geradezu überheblicher Fluch: Wenn ich komme, hast
du reife Feigen zu tragen? Gewiss nicht: Aus
anderen biblischen Erzählungen und Gleichnissen
wissen wir, dass der Baum krank und unfruchtbar war.
Er trug so viel Laub, wie es ein gesunder Feigenbaum
nur dann trägt, wenn bereits die Früchte reifen.
Der krankhafte Blatt-Trieb, der Fruchtbarkeit
vortäuscht, der die Kraft des Bodens nur in Blätter
statt in Früchte saugte, war für Jesus Sinnbild des
unfruchtbar gewordenen Glaubens in Jerusalem: Alles
war nur noch Schein nach außen, so tun als ob, leere
Form ohne Inhalt. Er war ja gerade dazu gekommen,
diese Falschheit zu entlarven!
Für Jesus wurde der
Feigenbaum aber auch zum Anlass, seinen Jüngern
etwas ganz Wichtiges mitzuteilen. Als sie ihn
nämlich fragten: Wie konnte nur der Feigenbaum so
plötzlich verdorren? Da antwortete er ihnen
beschwörend, ja feierlich:
„Amen, das sage ich
euch. Wenn ihr den Glauben habt und nicht zweifelt,
dann könnt ihr nicht nur so etwas vollbringen, wie
ich es an dem Feigenbaum vollbrachte. Selbst wenn
ihr zu diesem Berg sagt: Hebe dich hinweg und stürze
dich ins Meer! wird es geschehen. Und alles, was ihr
im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr
glaubt!"
(Matthäus 21,21-22)
Das ist der Glaube, der
Berge versetzt, die absolut feste Überzeugung: Was
ich vorhabe, das wird gelingen.
Das ist der Glaube, der
Petrus über das Wasser gehen ließ, bis Zweifel
auftauchten und ihn sinken ließen (Matthäus
14,30-31), worauf er sich den Vorwurf gefallen
lassen musste:
„Du Kleingläubiger! Warum hast du gezweifelt?"
Das ist der Glaube, der
bei der Begegnung mit Jesus so viele geheilt hat:
„Dein Glaube hat dir geholfen." (Matthäus 9,22). Das
ist der Glaube, den Jesus von den zweiundsiebzig
Jüngern erwartete, die er losschickte:
„Heilt die Kranken, die
dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist
euch nahe." (Lukas 10,9). Sie hatten diesen Glauben
und kehrten jubelnd zurück: Es hat geklappt! „Herr,
sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen
Namen aussprechen." (Lukas 10,17). Das ist auch der
Glaube, der die ersten Christen in ihrer feurigen
Begeisterung beseelte: Sie wurden zu Geistheilern,
zu Propheten. Sie konnten Gift trinken, ohne dass es
ihnen geschadet hätte. Alles, weil ihr Glaube in der
Autorität Jesus ganz fest verankert war.
Der verhängnisvolle
Kampf gegen den „Aberglauben"
Um die
Ärgernis „Wunder" endlich aus der Welt zu schaffen,
die heilige Schrift von „altem Aberglauben" zu
reinigen, machten sich die christlichen Kirchen ab
den dreißiger Jahren daran, die Bibel zu
„entmythologisieren". Es sollte alles rein rational
erklärbar, deutbar, verstehbar werden. Das Wasser
bei der Hochzeit zu Kana (Johannes 2) ist also nicht
wirklich zu Wein geworden; die guten Leute haben
sich das, geblendet von der Figur Jesu, nur
eingebildet. Der Blinde wurde nur deshalb sehend,
weil der Schock der Begegnung irgendeinen „Knoten"
in seinem Organismus gelöst hat, eine ganz
natürliche Sache. Jesus ist auch nicht von den Toten
auferstanden: Die Jünger und Apostel sind frommem
Wunschdenken verfallen. Bis hin zur Feststellung: Es
gibt auch keine unsterbliche Seele. Der Mensch ist
bekanntlich aus dem Tier hervorgegangen. Da sie
nicht unsterblich sind, kann es folglich der Mensch
auch nicht sein; mit dem Tod ist alles endgültig
aus.
Wenn es doch ein ewiges
Leben gibt, dann nur deshalb, weil Gott uns
versprochen hat, uns zum zweiten Mal zu erschaffen,
dann eben unsterblich.
Um ganz auf
dem Boden seriöser, nüchterner Wissenschaft zu
stehen, sind Theologen zu solchen Äußerungen
gekommen. Sie haben, so könnte man es formulieren,
dem Glauben den Glauben weggenommen und ihn damit
zerstört. Kein Staunen mehr, kein Raum mehr hinter
der Welt des sinnlich Erfahrbaren, nichts
Wundervolles mehr.
Wie armselig
klein, wie unerträglich kalt ist diese Welt und
diese Religion in ihr geworden! Wie wenig traut man
Gott noch zu - vergleichbar dem Gott der alten
Juden! Wie imponierend stark konnten jene noch
glauben, gemessen an dem, was wir noch unter Glauben
verstehen!
Schon lange
vor den Theologen haben die Mediziner den Glauben
aus den Kliniken, den Behandlungszimmern, den
Krankenstuben verbannt. Sie sahen - ebenfalls als
rein empirisch denkende Wissenschaftler - im kranken
Körper nur noch das biologische Gebilde, das rein
nach physikalischen und chemischen Gesetzen
funktioniert, das man wieder zum richtigen
Funktionieren bringen kann, wenn man herausgefunden
hat, welche Substanzen fehlen, so dass diese ergänzt
werden können; welche Stoffe schädlich sind, also
entfernt werden müssen; welche Krankheitserreger
eingedrungen sind und vernichtet werden müssen; wo
etwas falsch heranwächst und deshalb wegzuschneiden
ist. Der Patient war kein Mensch mehr, dessen
Heilkräfte versagen und der Glauben und Zuversicht
braucht, damit sie erstarken, sondern „der
Magenkrebs Zimmer 7", „die Leberzirrhose Zimmer 9"
oder „das Lungenkarzinom Zimmer 2".
Erst in jüngster Zeit
hat sich das deutlich gewandelt. Während der
berühmte Arzt vor hundert Jahren noch überheblich
formulierte: „Ich habe viele tausend Körper
aufgeschnitten und niemals eine Seele gefunden",
sagt der Wissenschaftler kurz vor der Wende ins
dritte Jahrtausend eher demütig: "Wäre ich doch nur
halbwegs so klug, wie meine Leber es ist! Welch ein
Glück, dass ich nicht mit meiner beschränkten
Einsicht die Vorgänge in meinem Körper steuern muss!
Ich könnte keine Sekunde überleben."
Gleichzeitig
kommt man nicht mehr umhin zuzugeben, dass viele
gute Heilpraktiker, die sich Zeit nehmen, ihre
Patienten anhören, ihnen Mut machen und ihr
Vertrauen wecken, oft erstaunliche, mitunter
geradezu unmögliche Heilerfolge erzielen können. Und
dann gibt es auch noch die Geistheiler, die
„Wunderheiler", offensichtlich begabte Menschen, die
scheinbar überhaupt kein Medikament brauchen. Sie
legen nur die Hände auf oder sie stellen sogar aus
der Ferne mit dem Patienten eine geistige Verbindung
her - unbestreitbar gelegentlich mit gutem Erfolg.
Sie heilen so, wie Jesus geheilt hat. Richtiger
müsste man sagen: Sie helfen dem Kranken, so wie
Jesus ihm geholfen hat, sich selbst zu heilen.
(mit freundlicher
Genehmigung - Sternbild - Text © von Kurt Allgeier )
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