
Bevölkerung
China hat eine der weltweit ältesten Zivilisationen
aufzuweisen, die ohne Unterbrechung fortbestanden. Bei
Ausgrabungen entdeckte Funde menschlicher Überreste wurden
auf ein Alter von 460 000 Jahren geschätzt. Bereits 5500 v.
Chr. baute man im Osten Chinas Reis an, und 500 Jahre später
bildete sich im Tal des Huang He (Gelber Fluss) eine
Gemeinschaft heraus, die Landwirtschaft betrieb.
Heute hat China mit einer Einwohnerzahl von über 1 256 200
000 (2000) Menschen die größte Bevölkerung weltweit. Um das
Bevölkerungswachstum zu reduzieren, schränkte die Regierung
die Anzahl der erlaubten Kinder pro Ehepaar auf eins ein.
Diese Politik war in erster Linie für die Han-Chinesen
gedacht, die den Hauptteil der chinesischen Bevölkerung
ausmachen. Teilweise haben Frauen in ländlichen Regionen
auch ein zweites Kind, aber meist erst mehrere Jahre nach
dem ersten. In China leben insgesamt 55 verschiedene
nationale Minderheiten. Die bedeutendsten unter ihnen sind
die ethnischen Gruppen der Zhuang, Mongolen, Tibeter,
Uiguren, Miao, Yi, Koreaner, Yao, Bai, Tujia, Hui und Hani.
Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 131
Einwohner pro km². In einigen Regionen im Osten des Landes
liegt sie sogar noch wesentlich höher (mehr als 1 150
Einwohner/km²).

Sprache
Die Landessprache ist Standardchinesisch, das Putonghua,
welches auf dem Mandarindialekt basiert. Die Mehrheit der
Bevölkerung verwendet diese Sprache. Daneben gibt es
zahlreiche andere Sprachen wie Kantonesisch, Fukienesisch
und das Hakka im Süden Chinas. Zusätzlich verfügt jede der
nationalen Minderheiten über eine eigene Sprache oder einen
eigenen Dialekt. Die chinesische Schriftsprache umfasst
insgesamt mehr als 50 000 Zeichen, von denen aber nur etwa 8
000 ständig gebraucht werden. Um eine Zeitung zu lesen, muss
man rund 3 000 bis 4 000 Schriftzeichen kennen. Für den
Unterricht der chinesischen Sprache an Schulen oder für die
Kommunikation auf internationaler Ebene existiert ein
lateinisches Alphabet (pinyin).

Religion
Obwohl die kommunistische Regierung offiziell den Atheismus
vertritt, ist den Bürgern das Praktizieren ihres Glaubens
innerhalb gewisser Grenzen gestattet. Die vorherrschenden
Religionen sind der Buddhismus, Taoismus, Islam und das
Christentum. Die Regierung erlaubt allen religiösen
Organisationen zwar die Veröffentlichung von
Druckerzeugnissen sowie die Veranstaltung von Treffen und
Gottesdiensten, überwacht diese aber argwöhnisch. Die
Durchführung derartiger Aktivitäten ohne vorherige
Genehmigung kann Gefängnisstrafen oder andere Beschränkungen
zur Folge haben.
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Inselkloster
Das Po-Lin-Kloster auf Lantau Island
befindet sich in Hongkongs Region der New
Territories. Dieses buddhistische Kloster
liegt an einem steilen Hügel in der Nähe der
Südküste zwischen dem Skek-Pik-Stausee und
dem Lantau Peak. An der Mündung des Zhu
Jiang (Perlfluss), direkt westlich von
Hongkong Island, breitet sich Lantau Island
über 150 km² aus. Viele religiöse
Einrichtungen sind hier zu finden. Bei Tai
Shui Hang an der Nordostküste lebt der
Trappistenhimmel, ein geschlossener,
christlicher Orden mit strengem
Schweigegelübde.
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Sitten und
Gebräuche
Familienstruktur
Schon immer legten Chinesen in Bezug auf Familie und
Abstammung großen Wert auf Loyalität. Die strenge
Familienplanungspolitik erlaubt Paaren in der Stadt seit
Beginn der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts maximal ein
Kind. Die Familienplanungsprogramme umfassen u. a.
Initiativen, die junge Leute zu einer späteren Heirat
motivieren sollen. Collegestudenten ist es sogar verboten,
vor Abschluss ihres Studiums zu heiraten. Als geeignetes
Heiratsalter gilt bei Frauen das 20. und bei Männern das 22.
Lebensjahr. Diejenigen, die vorher heiraten, werden von
gewissen Sozialleistungen ausgeschlossen.
Die Eheschließung erfolgt ohne große Umstände. Hat das Paar
von der für das entsprechende Wohngebiet zuständigen Behörde
die Heiratserlaubnis erhalten, erfolgt die Trauung ohne
weitere Zeremonie. Danach findet im Familien- und
Freundeskreis eine Hochzeitsfeier statt. Mittlerweile ist es
auch hier üblich, Eheringe zu tauschen. Die Frauen behalten
ihren Namen und nehmen nicht den des Mannes an. Nach einer
Heirat werden Frauen nicht mehr als Mitglied ihrer Familie
angesehen. Söhne genießen generell ein höheres Ansehen, weil
sie in der Familie verbleiben, sich später um ihre Eltern
kümmern und für den Fortbestand der Familie sorgen.
Das Wohnungsangebot ist im Allgemeinen sehr beschränkt. In
den Städten sind kleine Mietwohnungen ohne Badezimmer die
Regel. In den ländlichen Gegenden überwiegen einfache
Häuser, deren Fußböden aus festgestampfter Erde bestehen. In
den Städten sind die meisten Wohnungen Staatseigentum oder
gehören dem Arbeitgeber. Im Bemühen, die Wohnbedingungen zu
verbessern und auch das Angebot zu erhöhen, versucht die
Regierung die Leute zu bewegen, ihre Häuser oder Wohnungen
als Eigentum zu erwerben. Unter anderem hat sie auch ein
allmähliches Ansteigen der Mietpreise durchgesetzt, um so
Bauunternehmen zu animieren, mehr und bessere Häuser und
Wohnungen zu bauen. Die meisten Familien haben das
Bestreben, ihr eigenes Haus zu bauen. Dafür sparen sie viele
Jahre lang. Besitzer eines Hauses zu sein, gilt als Symbol
eines höheren Lebensstandards. Die Mehrheit der Bevölkerung
legt großen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Kinder, in
der Hoffnung, dass diese einmal wohlhabender sein werden,
als sie selbst es sind.

Essen und Trinken
Die Hauptprodukte der Ernährung umfassen Kartoffeln, Tofu,
geschrotetes Maismehl, Reis und andere Getreidesorten. Auch
Nudeln sind weit verbreitet, und Man tou (gedünstetes Brot)
gehört vor allem im Norden Chinas zu den
Hauptnahrungsmitteln. Gerichte mit Rind-, Schweine- und
Hühnerfleisch oder Fisch sind zwar sehr beliebt, aber auch
sehr teuer. Die Spezialitäten variieren von Region zu Region
– von der typischen Ente in Peking bis zu scharf gewürzten
Gerichten in der Provinz Sichuan Sheng. Obst und Gemüse
werden je nach Saison zubereitet. Unter die Soßen mischt man
Gemüse und Fleisch und isst sie mit Reis.
In China benutzt man Stäbchen als Besteck. Das Essen wird in
der Mitte des Tisches aufgedeckt und kann aus mehr als nur
einem Hauptgericht bestehen, das dann mit Reis kombiniert
wird. Man füllt sich von den Speisen etwas in eine Schüssel
und hält diese beim Essen dicht an den Mund. Nicht essbare
Reste, wie Knochen und Kerne, werden auf den Tisch oder in
eine flache Schüssel, aber niemals zurück in die
Reisschüssel gelegt. Nach Beendigung des Essens legt man die
Stäbchen nicht in die Reisschale, sondern sauber auf den
Tisch.
In Restaurants sind die Tische oft mit einer Art drehbar
gelagertem Tablett ausgestattet, das es den Gästen erlaubt,
ohne Umstände von mehreren Speisen zu kosten. Trinksprüche
werden nicht nur an die Personen am Tisch, sondern manchmal
auch an benachbarte Tische gerichtet. Für offizielle
Bankette sollte sich der Gast eine kurze, nette Rede
zurechtlegen, um so gegebenenfalls eine Ansprache des
Gastgebers geschickt beantworten zu können.

Umgangsformen
Beim Grüßen einer anderen Person nicken Chinesen höflich
oder verbeugen sich leicht. Auch ein Händedruck ist möglich,
besonders bei offiziellen Anlässen oder zum Ausdruck
besonderen Respekts. Ausländer grüßt man vorwiegend mit Ni
hao ma? (“Geht es ihnen gut?”). Obwohl viele Chinesen diesen
Gruß kennen und auch verwenden, gibt es doch traditionellere
Formen. Eine ungezwungene Begrüßung dieser Art lautet z. B.
Chi le ma? (“Haben sie gegessen?”). Die mögliche Antwort ist
entweder Chi le (“Ja”) oder Mei you (“Noch nicht”).
Vorstellungen nehmen Chinesen meist auf sehr förmliche Weise
vor. Sie nennen den vollen Titel ihrer Gäste, machen im
Gegensatz dazu allerdings weit weniger präzise Angaben zu
ihrer eigenen Persönlichkeit. Chinesische Namen bestehen
größtenteils aus einsilbigen Familiennamen, gefolgt von
einem ein- oder zweisilbigen Vornamen. Die Anrede erfolgt
entweder mit dem vollen Namen oder mit dem Familiennamen und
dem Titel der jeweiligen Person. Anstelle des beruflichen
Titels sind auch die chinesischen Äquivalente für Herr und
Frau gebräuchlich. So kann also Wang Jian-Jun auch Herr Wang
genannt werden, niemals aber einfach nur Wang. Auch Jian-Jun
wäre unüblich. Unter Freunden kann man anstatt der Titel die
Ausdrücke Lao (“Alt”) und Xiao (“Jung”) hören. Auch Anreden
wie “Lehrer” oder “Doktor” sind durchaus nicht selten.
Abgesehen von großen Menschenmengen, in denen der
Körperkontakt unvermeidbar ist, berühren Chinesen niemanden,
den sie nicht kennen. Einem Lächeln gibt man in jedem Fall
den Vorzug vor einem Schulterklopfen oder einer ähnlichen
Geste. Die Einhaltung dieser Regeln gilt es besonders zu
beachten, wenn man es mit älteren Menschen oder solchen in
bedeutenden Positionen zu tun hat.
Für offizielle Anlässe werden Einladungen ausgesprochen.
Ansonsten sind auch Besuche ohne vorherige Ankündigung
üblich. Zu Einladungen sollte man pünktlich erscheinen. Eine
mehrminütige Verspätung wird als äusserst unhöflich
angesehen. Die Gäste benehmen sich zurückhaltend und
vermeiden laute, ausgelassene Gespräche und Aktivitäten.
Wertvolle Geschenke eines Fremden lehnen die Gastgeber ab,
aber Freunde bringen in der Regel Kleinigkeiten wie Tee,
Zigaretten, Obst, Schokolade, Kuchen oder Wein mit. Sind
diese Mitbringsel eingepackt, kommt es selten vor, dass die
Gastgeber sie auspacken, bevor die Gäste gehen. Gewöhnlich
bietet man seinen Besuchern Erfrischungen an, aber es wird
nicht als Unhöflichkeit empfunden, wenn man dankend ablehnt.
Die Gastgeber wiederholen mehrere Male das Angebot, bevor
sie die Weigerung akzeptieren. Da viele Chinesen zeitig
aufstehen, enden diese geselligen Abende oft schon sehr
früh.

Freizeit
In den Städten bieten Theater, Ballettaufführungen, Kinos
und andere kulturelle Veranstaltungen Zerstreuung. Besonders
populär sind importierte Filme. Kulturensembles bereisen
auch die ländlichen Gebiete und geben dort Vorstellungen.
Sport ist ebenfalls eine beliebte Freizeitbeschäftigung und
diesbezügliche Angebote findet man in allen Städten. Die
Favoriten sind Tischtennis, Schwimmen und Fußball. Bereits
in den frühen Morgenstunden sieht man viele Menschen in
Parks oder auf den Höfen beim Training des Tai ji quan (t'ai
chi ch'uan), einer traditionellen Form des Schattenboxens,
die sowohl körperliche Bewegungsübungen als auch eine Art
Meditation beinhaltet.
Man trifft sich gern, um einfach nur zu diskutieren oder
sich mit Karten- oder Tischspielen zu beschäftigen. Viele
bekannte Spiele haben ihren Ursprung in China, darunter
Majiang (Mah-jongg) – das bei weitem beliebteste Spiel im
Land –, chinesisches Schach und verschiedene Kartenspiele.
Wei qi (in einigen anderen Ländern als “Go” bekannt) ist ein
strategisches Spiel, das in höher gebildeten Kreisen beliebt
ist.

Feiertage
Das chinesische Neujahrsfest (auch Frühlingsfest genannt)
findet entsprechend dem chinesischen Mondkalender im Januar
oder Februar statt. Als der bedeutendste Feiertag wird
dieses Frühlingsfest mit Banketts, Familientreffen,
Karnevalsveranstaltungen und Drachentänzen gefeiert. Die
Regierung stellt sicher, dass während dieser Tage in
ausreichender Menge Lebensmittel zur Verfügung stehen. Zu
den typischen Delikatessen, die bei diesem Fest angeboten
werden, gehören Fisch (als Symbol des Überflusses), Fleisch,
Garnelen, Reis und Jiaozi (chinesische Knödel).
Der Jahreszeitenwechsel vom Winter zum Frühling erfolgt um
den 5. März und heißt Jing zhe (Ching Che) oder “Fest der
aufgeregten Insekten”. Für Chinesen ist dies der Tag, an dem
“der Drache sein Haupt erhebt” und die Insekten aus ihrer
Überwinterung reißt. Die vielen Rituale, mit denen dieser
Tag begangen wird, sollen die Fruchtbarkeit der Erde wieder
beleben.
Am 8. März ist Internationaler Frauentag, der seinen
Ursprung in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts in den
Vereinigten Staaten von Amerika hat, als die Frauen der
Bekleidungs- und Textilindustrie gegen die schlechten
Arbeitsbedingungen protestierten. Der 1. Mai ist der Tag der
Arbeit. Der Internationale Tag der Bildung wird in China und
anderen Ländern, die den Vereinten Nationen (UN) angehören,
seit den sechziger Jahren am 8. September begangen.
Am 28. September feiert man den Geburtstag von K'ung Fu-tzu
(Konfuzius) bzw. den Lehrertag. Konfuzius, der 551 v. Chr.
geboren wurde, spielte bei der Gestaltung der Ethik und der
Politik Chinas eine bedeutende Rolle. Der Konfuzianismus
befürwortet den Respekt, Gehorsam und die Selbstlosigkeit
und misst Tugenden wie Weisheit, Gerechtigkeit und Loyalität
eine große Bedeutung bei.
Weitere gesetzliche Feiertage sind der Nationalfeiertag (1.
und 2. Oktober), gefolgt vom Tag der Vereinten Nationen am
24. Oktober. An diesem Tag trafen sich 1945 die
Nationalisten Chinas mit Repräsentanten anderer Länder, um
die Charta der Vereinten Nationen zu verabschieden. Am 12.
November ist der Geburtstag von Sun Yatsen, der aufgrund
seiner Planung der industriellen Entwicklung als der Vater
des modernen Chinas gilt und in der chinesischen Politik zu
Beginn des 20. Jahrhunderts eine führende Rolle spielte.
Weitere traditionelle Feste, die in China zu
unterschiedlichen Jahreszeiten stattfinden, sind das
Laternenfest (15. Tag des ersten Mondmonats), das
Drachenbootfest (5. Tag des fünften Mondmonats) und das
Herbstmitte- oder Mondfest (15. Tag des achten Mondmonats).

Kunst
Bildende Kunst und
Literatur
Die kommunistische Regierung Chinas bemühte sich um eine
Umstrukturierung des Bildungswesens, das neben dem
allgemeinen Schulbesuch noch andere Institutionen umfassen
sollte. Besonders während der Kulturrevolution von 1966 bis
1976 wurde die Kunst als bildendes Instrument angesehen.
Infolgedessen war die Auswahl der Arbeiten, die
veröffentlicht werden durften, nur sehr beschränkt. Die
offizielle Haltung bezüglich der Propagandawirkung von
Kunstwerken hat seit Mitte der siebziger Jahre jedoch wieder
an Strenge verloren. Auch ausländische Literatur, die in den
sechziger Jahren verboten worden war, wird in China heute
wieder aufgelegt. 1978 und 1979 ließ man etwa 200
ausländische Werke übersetzen, darunter populäre Romane aus
dem Westen, die dann im Literaturverlagshaus des Volkes
erschienen.
Die chinesische Regierung erkannte sogar an, dass Kunst als
soziales Ventil auch von Nutzen sein kann. Die Filmtheater
sind in der Regel bis auf den letzten Platz ausverkauft, und
auch fahrende Truppen von Akrobaten, Zirkusartisten und
Jongleuren, Ballettensembles und Opernsänger treten in den
kleineren Städten und Gemeindezentren vor vollen Häusern
auf. In den achtziger Jahren erlaubte China wieder
Konzertreisen von klassischen Musikern und Popstars aus dem
Westen.
Bestimmte Ansichten durch Kunst zum Ausdruck zu bringen, ist
in China ein heikles Thema, da sich die offizielle Haltung
der Regierung unerwartet schnell ändern kann. 1957 waren im
Rahmen der Hundert-Blumen-Kampagne Schriftsteller und
Intellektuelle aufgerufen, sich deutlich bezüglich
eventueller Perspektiven zu äußern, wie die Regierung die
Politik den Bedürfnissen des Volkes anpassen könnte. Die
Kritik und die Vorwürfe, die nach diesem Aufruf zur
Offenheit vorgetragen wurden, waren so heftig, dass die
Regierung sofort von ihrem Kurs abschwenkte. Für ihre
Meinungsäußerungen sahen sich viele Intellektuelle danach
politischer Verfolgung ausgesetzt. Ähnliche Stimmungswechsel
innerhalb der Regierung veranlassten Chinas Künstler,
Schriftsteller, Komponisten und Regisseure in den siebziger
und achtziger Jahren, auf die Aufforderung von offizieller
Seite, ihren Werken frei von jeder Zensur
künstlerisch-kulturellen Ausdruck zu verleihen, mit
verhaltener Vorsicht zu reagieren.

Musik
An historisch bedeutsamen Stätten fand man in China
Instrumente wie steinerne Glockenspiele, Bronzeschellen und
Ocarinas (Tonpfeifen). Frühe Schriftstücke aus dem 3.
Jahrhundert v. Chr. lassen auf eine enge Beziehung zwischen
der Musik und der gesellschaftlichen und kosmischen Ordnung
schließen. Dieser Zusammenhang lässt sich auch in der
heutigen Zeit noch feststellen. Bei der Thronbesteigung
durch einen neuen Kaiser stimmten die Hofmusiker ihre
Instrumente neu ab, philosophische Schriften richteten die
Musik auf Vorstellungen aus der Naturwelt und das ethische
Verhalten der Menschheit aus. Die Schriften von Konfuzius
beeinflussten die Entwicklung der traditionellen Hofmusik –
ein Einfluss übrigens, der auch auf die japanische (Gagaku)
und koreanische Hofmusik übertragen wurde.
Obwohl auch erfolgreiche Dynastien verschiedene Musikgenres
gefördert haben, so hatte das kommunistische Regime doch den
tief greifendsten Einfluss auf die Musik. Nach dem Sieg der
Kommunisten im Jahr 1949 besann man sich wieder auf die
Tradition der Volksmusik, die Lieder erhielten dabei einen
zunehmend politischen Inhalt und es kam zu einer weiteren
Vermischung chinesischer und westlicher Musik. Nach der
Kulturrevolution ließ die staatliche Unterstützung der
Musikbranche nach, wurde schließlich soweit eingeschränkt,
dass etwa ein Jahrzehnt lang nur fünf Opernhäuser und drei
Ballettensemles die Genehmigung für Aufführungen erhielten.
In den achtziger und neunziger Jahren weckte die Rockmusik
ein wachsendes Interesse, aber auch sie unterliegt dem Druck
des ungewissen politischen Klimas.
Die Schauspielkunst erfreute sich in China schon immer
besonderer Beliebtheit. Das beste Beispiel hierfür ist die
reiche Vielfalt an regionalen Operngesellschaften, von denen
jede ihren ganz eigenen individuellen Stil aufweist. Auf den
Dörfern gibt es halbprofessionelle Vereinigungen von
Musikern, die zu zeremoniellen Anlässen auftreten. Das
Repertoire dieser Gruppen umfasst Elemente der klassischen,
religiösen sowie der Volksmusik. Weniger verbreitet sind
Soloinstrumente wie z. B. die Qin, eine Zither, die zu
meditativen Zwecken gespielt wird. Die ethnische Vielfalt
Chinas kommt u. a. auch darin zum Ausdruck, dass die
nationalen Minderheiten, die in den westlichen
Landesregionen leben, wiederum eigene Musiktraditionen
pflegen.

Bibliotheken und Museen
Die Städte Peking, Shanghai und Kanton spielen im
Kulturleben Chinas eine bedeutende Rolle. Sie verfügen über
die berühmtesten Museen, Theater und Ausstellungen.
Peking gilt noch immer als das kulturelle Herz der Nation.
In der Nähe des berühmten Platzes des Himmlischen Friedens
liegen die Verbotene Stadt (frühere Residenz der Kaiser und
heute ein Museum, das für Besucher geöffnet ist), das Grab
von Mao Tse-tung und das Museum der Chinesischen Revolution.
Unweit von Peking befinden sich die großen Monumente der
Ming- und Quing-Dynastie, die, nachdem die
Reisebeschränkungen innerhalb des Landes für die Bevölkerung
abgebaut wurden, zunehmende Besucherzahlen verzeichnen. Zu
den historisch bedeutenden Bauwerken gehören außerdem der
Sommerpalast, der Himmelstempel, die Gräber der
Ming-Dynastie sowie die Chinesische Mauer.
In Shanghai befinden sich das Museum für Kunst und
Geschichte, das eine der schönsten Kunstsammlungen Chinas
beherbergt, und das Museum für Naturwissenschaften. Außerdem
kann man hier den Garten des Mandarin Yu besichtigen, eines
der Beispiele für das bedeutende Regierungsprogramm zur
Förderung der Kunst. Nach 1949 öffnete die kommunistische
Regierung viele der ehemals privaten Häuser, Gärten und
Parks der Wohlhabenden dem breiten Publikum und baute sie zu
Museen um. In allen Städten haben sich diese Plätze zu
beliebten Treffpunkten entwickelt, an denen man spazieren
geht, gemeinsam Tee trinkt und mit Freunden oder
ausländischen Touristen Schach spielt. Außerdem dienen diese
Stätten der Aufklärung über den Klassenunterschied, der vor
1949 zwischen Arm und Reich herrschte.
In Kanton kann man das Guangzhou-Museum, die Sun
Yatsen-Gedächtnishalle, den Yuexiu-Park, in dem die
Zhenhai-Pagode aus der Ming-Dynastie steht, den Tempel der
Sechs Banyanbäume und die Huaisheng-Moschee besichtigen, die
im Jahr 627 gegründet wurde. In der Nähe von Xi'an steht
eine der eindrucksvollsten Arbeiten der chinesischen Antike
– die Armee der 7 000 Terrakotta-Soldaten. Die lebensgroßen,
realistisch dargestellten Figuren fand man im Grab des
Qin-Kaisers (Ch'in) Shi Huang Ti, der 210 v. Chr. starb.
Die Förderung des nationalen Selbstbewusstseins seit der
Revolution von 1949 veranlasste fast jede Stadt, eine Art
kulturelles Monument zu bauen, das ihre jeweilige Rolle bei
der Entwicklung Chinas widerspiegeln sollte. In den Städten,
die kein offizielles Museum besitzen, wandelte man frühere
Grundbesitze in der Öffentlichkeit zugängliche Gärten oder
Teestuben um.

Das Land
Regierung
In der Volksrepublik China stellen die Kommunisten die
regierende Partei (CCP), deren dienstälteste Mitglieder auch
die höchsten Ämter des Staates innehaben. Die Landespolitik
wird durch das Politbüro (20 Mitglieder) und dessen
ständiges Komitee bestimmt. Der Nationale Volkskongress (NPC,
das Parlament) hat 2 972 Mitglieder, die auf Gemeindeebene
für einen Zeitraum von fünf Jahren indirekt gewählt werden.
Er wird jährlich einberufen, segnet die Politik ab und
verfügt die Ausführung der von der kommunistischen Partei
beschlossenen Gesetze durch die Legislative. 1995 und 1996
nahmen einige Delegierte jedoch eine oppositionelle Haltung
gegenüber der Regierung ein. Der NPC wählt den Präsidenten,
der das Staatsoberhaupt ist, und den Vizepräsidenten. Auch
der Staatsrat, an dessen Spitze der Ministerpräsident steht,
wird vom NPC gewählt.

Zeitgeschichte
Nach dem 2. Weltkrieg entbrannte zwischen den Truppen der
Kommunisten und der Kuomintang ("Nationale Volkspartei") ein
heftiger Bürgerkrieg. 1948 kam die militärische Wende
zugunsten der Kommunisten, und im Sommer 1949 brach der
Widerstand der Nationalisten zusammen. Die Regierung suchte
gemeinsam mit den verbündeten Truppen Zuflucht auf der Insel
Taiwan.
Am 1. Oktober 1949 verkündete Mao Tse-tung als neues
Staatsoberhaupt die Gründung der Volksrepublik China. Die
Verfassung von 1954 ersetzte das Grundgesetz von 1949 und
bestätigte die Autorität der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh).
Oberstes Ziel der kommunistischen Regierung war es, in China
den Sozialismus zu realisieren. Jugendliche sollten
Vorbilder und Geborgenheit bei Staat und Partei statt in der
Familie suchen. Gesetze, die die Ehe, das Arbeitsleben, das
Besitzrecht und die Scheidung neu regelten, stellten die
Frau gleichberechtigt neben den Mann. Die Religionsausübung
unterlag strengen Kontrollen. Intellektuelle mussten sich
einer Art "Gehirnwäsche" unterziehen, mit dem Ziel,
antikommunistisches Gedankengut zu eliminieren. In den
ersten Jahren der Volksrepublik schreckte die Regierung in
ihrem Bestreben, jegliche Opposition und alle potentiellen
Feinde auszuschalten, auch vor Terrormaßnahmen nicht zurück.
Als vordringlichste Aufgabe sah die neue Regierung den
Wiederaufbau der Wirtschaft an, die durch die
jahrzehntelangen inneren Kämpfe am Boden lag. Grundlage der
Wirtschaftspolitik bildete die schrittweise Organisation der
Bauern in Kollektiven. Auf diese Weise sollte die Produktion
gesteigert und die finanziellen Mittel zur Entwicklung der
Schwerindustrie aufgebracht werden. Private Unternehmen
wurden nach und nach verstaatlicht. Die Landreform begann
1950 zu greifen. Der erste Fünfjahresplan, der 1953
umgesetzt und mit sowjetischer Unterstützung realisiert
wurde, stellte – auf Kosten der Konsumgüterproduktion – die
Entwicklung der Schwerindustrie in den Mittelpunkt. Der
frühe Erfolg des Planes ist zu einem großen Teil der
Unterstützung und technischen Hilfe der Sowjetunion zu
verdanken.
Die chinesische Außenpolitik spiegelt die Einmütigkeit der
kommunistischen Bewegung in den fünfziger Jahren wider.
China und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
(UdSSR) unterzeichneten 1950 einen Freundschaftspakt.
Darüber hinaus bemühte sich China um enge Beziehungen zu
seinen kleineren kommunistischen Nachbarn. Während des
Koreakrieges (1950-1953) unterstützten chinesische Truppen
die kommunistische Regierung Nordkoreas gegen die
Streitkräfte der Vereinten Nationen (UN). Nach dem
Waffenstillstand von 1953 verstärkten die Chinesen ihre
militärische Hilfe für die kommunistischen Rebellen, die in
Vietnam gegen die Franzosen kämpften. Außerdem versuchte das
Regime jene Gebiete zurückzugewinnen, die – seiner Ansicht
nach – zu China gehörten. 1950 fielen chinesische Truppen in
Tibet ein und zwangen dem Gebirgsland die chinesische
Herrschaft auf.
Während mit dem ersten Fünfjahresplan vorsichtig Änderungen
und Reformen eingeführt wurden, sah der zweite
Fünfjahresplan von 1958 für die Wirtschaft strenge
Kontrollen vor. Auf diese Weise sollte die Agrarproduktion
gesteigert, der Eigenverbrauch gesenkt und die
Industrialisierung vorangetrieben werden. Motto des Planes
war der so genannte Große Sprung nach vorn. Die Wirtschaft
brach jedoch zusammen, und die Industrieproduktion sank
drastisch.

Als die Sowjetunion 1960 ihren technischen Beistand und die
Wirtschaftshilfe aufkündigte, führte dies zu einer weiteren
Verschlechterung der Situation. Zwischen den beiden
führenden kommunistischen Mächten kam es zu ideologischen
Auseinandersetzungen, weil die UdSSR eine friedliche
Koexistenz mit dem Westen anstrebte. Anfang der sechziger
Jahre ging das Bündnis der beiden Staaten in die Brüche.
Dies hatte zur Folge, dass die UdSSR ihre finanzielle
Unterstützung zur Förderung der Wirtschaft China einstellte.
Die Chinesen begannen nun, offen mit der UdSSR um die
Führungsposition in der kommunistischen Welt und den
Einfluss auf neutrale Nationen zu streiten – lediglich
Albanien stand ihnen als Verbündeter zur Seite.
Bei der Neuordnung der chinesischen Gesellschaft kam es zu
Differenzen zwischen Mao, der die reine kommunistische Lehre
umsetzen wollte, sowie Intellektuellen, Politikern und
Bürokraten, die einen gemäßigteren Weg bevorzugten. Im Mai
1956 starteten die Parteiführer, die die Loyalität der
einflussreichen Intellektuellen zu gewinnen suchten, die
Kampagne der Hundert Blumen ("Lasst hundert Blumen blühen
und hundert Lehren miteinander wetteifern"). Mao selbst
weitete die Kampagne noch aus und ermunterte zu offener
Kritik an der Regierungspolitik. Er förderte damit viel
Unzufriedenheit und Unmut zu Tage, so dass die freie
Meinungsäußerung bereits im Juni 1957 wieder eingeschränkt
wurde.
1959 stellte Mao sein Amt als Staatsoberhaupt zur Verfügung.
Sein Nachfolger wurde der gemäßigte Liu Shaoqi; zwar behielt
Mao den Parteivorsitz, er verlor aber weiter an Einfluss,
nachdem sich der Große Sprung nach vorn als wirtschaftlicher
Fehlschlag erwiesen hatte. Die Spaltung innerhalb der Partei
erreichte 1966 ihren Höhepunkt, als Mao und seine Anhänger
die "Große Proletarische Kulturrevolution" initiierten, um
die Überreste des so genannten burgeoisen Gedanken- und
Kulturguts auszurotten und die revolutionären Ideale des
frühen chinesischen Kommunismus wieder zu beleben.
Gleichzeitig sollten Parteistrukturen geschwächt,
Privilegien abgeschafft sowie das Schul- und Bildungssystem
modernisiert werden, damit auch die einfache Landbevölkerung
und die Arbeiterschaft davon profitieren konnten. Den
Studenten, die sich Rote Garden nannten, schlossen sich
Arbeiter- und Bauerngruppen sowie aus dem Wehrdienst
entlassene Soldaten an. Gemeinsam zogen sie durch die
Straßen, um für Maos politische Linie zu demonstrieren,
wobei es zeitweise auch zu gewalttätigen Zwischenfällen kam.
Der Parteiapparat wurde zerschlagen, und viele hohe
Funktionäre, zu denen auch Liu gehörte, mussten von ihren
Ämtern zurücktreten und wurden aus der Partei verstoßen. Die
Schulen blieben geschlossen, und die Wirtschaft kam zum
Erliegen. 1967 und 1968 kosteten die blutigen
Auseinandersetzungen zwischen den Maoisten und ihren Gegnern
sowie die Kämpfe zwischen den zersplitterten Roten Garden
einige tausend Menschen das Leben.

Maos radikale Einstellung spiegelte sich in der neuen,
vereinfachten Verfassung wider, die im Januar 1975
verabschiedet wurde. Der eher pragmatische, moderate Deng
Xiaoping, rehabilitiertes Opfer der Kulturrevolution, wurde
stellvertretender Ministerpräsident unter Zhou Enlai. In
dieser Zeit gelang es China, seine Beziehungen zum Ausland
deutlich zu verbessern. 1971 wurde es anstelle von Taiwan in
die Vereinten Nationen aufgenommen. Der Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika, Richard Milhous Nixon,
stattete China 1972 einen offiziellen Besuch ab, und Japan
knüpfte erste diplomatische Beziehungen mit dem chinesischen
Nachbarn.
Als 1976 sowohl der Premierminister Zhou als auch der
Parteivorsitzende Mao starben, hinterließen sie ein
Machtvakuum. Nach Zhous Tod kam es zu erneuten Machtkämpfen
zwischen moderaten und radikalen Führern. Als Kompromiss
wurde schließlich Hua Guofeng das Amt des Premierministers
angetragen, da dieser zu keiner der beiden Gruppen engere
Kontakte pflegte. Hua trieb die moderate Politik weiter
voran. Er festigte seine Position, ließ führende Radikale
festnehmen. Als Nachfolger des Parteivorsitzenden Mao
konzentrierte er seine Aufmerksamkeit auf die Stabilisierung
der politischen Lage und die Förderung der wirtschaftlichen
Entwicklung.
Die Beziehungen zu Vietnam verschlechterten sich, da die
Vietnamesen die chinesische Minderheit in ihrem Lande nicht
dulden wollten und sie unter Druck setzten, um sie zum
Verlassen des Landes zu bewegen. Tausende Chinesen
riskierten in überladenen und seeuntüchtigen Booten die
Fahrt über das Südchinesische Meer. Einige fanden in anderen
Ländern Zuflucht, aber ebenso viele verloren vermutlich auf
dem Meer ihr Leben. Die katastrophale Situation dieser Boat
people erregte internationales Aufsehen.
In den achtziger und Anfang der neunziger Jahre des 20.
Jahrhunderts blieb Deng Xiaoping die dominante
Führungspersönlichkeit in China. Auch wenn er seine
öffentlichen Ämter nach und nach aufgab, behielt er doch im
Hintergrund alle Fäden in der Hand. Gemeinsam mit anderen
erfahrenen Politikern bemühte er sich, ausländische
Investoren zu gewinnen, um Handel und Industrie zu fördern.
Die Regierung zeigte sich dementsprechend in der
Wirtschaftspolitik bei weitem nicht so dogmatisch wie in
anderen politischen Bereichen.

Anfang der achtziger Jahre stellte Hua sein Amt als
Premierminister zur Verfügung, und die Parteispitze wurde
mit Anhängern Dengs besetzt. 1982 wurden eine neue
Verfassung und eine neue Parteidoktrin verabschiedet. Die
Verfassung führte das im Wesentlichen auf repräsentative
Aufgaben beschränkte Amt des Präsidenten (des früheren
Staatsvorsitzenden) wieder ein, das Mao 1968 abgeschafft
hatte. Im Januar 1987 wurde Premierminister Zhao Ziyang
Generalsekretär der Kommunistischen Partei. Die Veränderung
in der Führung erfolgte nach einer Welle der
Studentendemonstrationen, die mehr Demokratie und das Recht
auf freie Meinungsäußerung forderten. Im April 1989 kam es
zu erneuten Demonstrationen, die im Mai ihren Höhepunkt
erreichten, als Michail Gorbatschow, Staatsoberhaupt der
Sowjetunion, Peking besuchte, um damit einen Schlusspunkt
unter die seit 30 Jahren währenden Unstimmigkeiten zwischen
der UdSSR und China zu setzen. Die Demonstranten besetzten
in Peking den Platz des Himmlischen Friedens, bis am Morgen
des 4. Juni bewaffnete Truppen in das Stadtzentrum stürmten
und mehrere hundert unbewaffnete Zivilisten töteten. Als
Folge dieser Aktion trat Zhao Ziyang von seinen Parteiämtern
zurück. Jiang Zemin wurde Generalsekretär und Li Peng
Premierminister. Im März 1993 übernahm Jiang auch das Amt
des Präsidenten. Deng starb im Februar 1997. Am 1. Juli
desselben Jahres kam Hong Kong, seit 1843 britische
Kronkolonie, an China zurück. Am 17. März 1998 wurde Zhu
Rongji zum Premierminister gewählt. Li Peng trat nach der
zweiten fünfjährigen Amtszeit zurück, da die Verfassung eine
dritte Periode im Amt nicht erlaubt.
Zwischen der chinesischen Regierung und verschiedenen
Nachbarländern sind noch zahlreiche Gebietsansprüche
ungeklärt: Die Spratly-Inseln sind der Grund für weit
reichende Unstimmigkeiten zwischen China, Malaysia, den
Philippinen, Taiwan, Vietnam und Brunei. Die Paracel-Inseln
werden von China verwaltet, aber von Vietnam beansprucht.
China und die Regierung von Taiwan beanspruchen das unter
japanischer Verwaltung stehende Gebiet Senkaku-shoto.
Arunachal Pradesh und Aksai Chin sind der Grund für
Streitigkeiten mit Indien.
Die chinesische Regierung bestätigte im Juli 1999 erstmals
offiziell, dass das Land über Neutronenbomben verfügt. Im
November 1999 unterzeichneten Vertreter Chinas und der USA
in Peking eine bilaterale Vereinbarung über die Aufnahme der
Volksrepublik in die Welthandelsorganisation (WTO). China
verpflichtete sich in dem Dokument, das ihm den Weg zu
entsprechenden Abkommen mit anderen WTO-Partnern wie der
Europäischen Union ebnet, u. a. zur Zollsenkung und zur
Abschaffung von Exportsubventionen. Am 19. Dezember 1999
erfolgte die Übergabe des vorher portugiesischen
Überseegebiets Macao an China.

Wirtschaft
Reisanbau
China verfügt über einen der größten Wirtschaftssektoren
weltweit. Durch den lebhaften und ständig anwachsenden
privaten Sektor und eine inzwischen auf die Liberalisierung
der Wirtschaft ausgerichtete Politik konnte in den letzten
Jahren für viele Menschen der Lebensstandard angehoben
werden. Auf dem Parteikongress von 1992 sprachen sich die
Delegierten erneut für Wirtschaftsreformen aus. In den
städtischen Gebieten nimmt die Mittelschicht zahlenmäßig zu,
Privatunternehmen erhalten Förderungen und auch die Börse
erlebt einen Aufschwung. Auf den Dörfern ist ebenfalls eine
wesentliche Verbesserung der Lebensbedingungen zu
beobachten, vor allem in Bezug auf die Ernährung und das
Gesundheitswesen. So ist z. B. in der heutigen Wirtschaft
auch eine größere Palette an Konsumgütern erhältlich.
Die wichtigsten Industriegüter Chinas sind Fertigwaren, Öl,
Mineralien, Kohle, Stahl und Eisen. Obwohl lediglich 13,3
Prozent Prozent der Gesamtfläche Chinas für Ackerbau nutzbar
sind, gehört das Land zu den weltweit führenden Produzenten
von Reis, Tabak, Mais, Gerste, Sojabohnen, Erdnüssen, Eiern
und Schweinefleisch. Weizen, Fisch und Kartoffeln sind
weitere wichtige landwirtschaftliche Güter. Mehr als die
Hälfte der Bevölkerung ist in der Agrarwirtschaft
beschäftigt, und China ist hinsichtlich der Versorgung mit
Lebensmitteln autark. Investmentgüter, hochqualitative
Rohstoffe und auch Öl müssen importiert werden. Die
Landeswährung ist der Renminbi und Standardeinheit ist der
Yuan.
Hong Kong

Aufstrebendes modernes Hong Kong
Die pulsierende Weltmetropole Hong Kong erstreckt sich über
mehr als 235 Inseln und eine von Hügeln bedeckte Halbinsel,
die mit dem südöstlichen Festland von China verbunden ist.
Diese Luftaufnahme zeigt denVictoria Harbor, einen der
bedeutendsten Häfen in Asien und einen der besten Naturhäfen
der Welt, in dem sogar Hochseeschiffe vor Anker gehen
können. Als Freihafen, Zentrum für Handel und Finanzen sowie
attraktives Ziel des internationalen Tourismus zieht Hong
Kong Besucher aus der ganzen Welt an. Das Hafenviertel von
Hong Kong ist von Hochhäusern der Geschäftswelt sowie von
schicken Geschäften und Hotels gesäumt.
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Verkehr und
Kommunikation
Alle öffentlichen Verkehrsmittel befinden sich im Besitz des
Staates. Die gängigen Transportmittel sind Zug, Fahrrad und
Bus. Nur wenige besitzen ein Privatfahrzeug, aber auch hier
ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Inlandsflugverbindungen
stehen zur Verfügung, aber sind sehr teuer und wirken
oftmals auch nicht sehr Vertrauen erweckend. In einigen
Gebieten werden Flüsse als Verkehrswege genutzt. Die
Straßenverbindungen zwischen den einzelnen Städten sind
meistens in einem armseligen Zustand. Das
Kommunikationssystem ist zwar sehr schwach ausgebaut, weist
aber inzwischen etliche Verbesserungen auf. Die Regierung
kontrolliert alle Rundfunk- und Fernsehstationen.

Bildungswesen
Bildung in Kanton
Bis Ende der neunziger Jahre ist es Chinas erklärtes Ziel,
die Grundschulausbildung für jeden Bürger zu ermöglichen. Im
ersten Schuljahr werden fast alle Kinder in eine Schule
eingeschrieben. Aber die meisten von ihnen brechen nach der
Hälfte der Schulzeit ihre Ausbildung ab. Die Regierung
erarbeitet derzeit einen Plan, der in allen Regionen eine
Schulpflicht von neun Jahren vorschreiben soll. Um den
Alphabetisierungsgrad der Erwachsenen zu erhöhen, ist eine
Universität für das Fernstudium eingerichtet worden. Der
Unterricht wird hierbei über Radio oder Fernsehen
abgehalten. Universitäten besucht nur ein kleiner
Prozentsatz aller Einwohner. Um im Ausland weiterstudieren
zu dürfen, müssen die Studierenden mindestens fünf Jahre
lang gearbeitet haben.

Gesundheitswesen
Abgesehen von Malaria- und Cholerafällen, ist der
durchschnittliche Gesundheitszustand in China im Allgemeinen
gut. Die medizinische Versorgung wird in hohem Maß durch den
Staat subventioniert. Das Gesundheitssystem ist auf Vorsorge
ausgerichtet. Die zahlreichen Programme, die hierfür
ausgearbeitet wurden, heben mit besonderem Nachdruck die
Bedeutung von Impfungen, pränatalen Untersuchungen und
Hygiene hervor. Im Rahmen dieser Programme sollen auch
genügend Kinderärzte zur Verfügung gestellt werden. Die
medizinischen Einrichtungen sind äusserst einfach, aber das
System hat für eine grundlegende Verbesserung der Gesundheit
gesorgt und die Kindersterblichkeitsrate beachtlich gesenkt.
Die traditionelle chinesische Medizin (Nutzung u. a. von
medizinischen Kräutern und Akupunktur) zur Behandlung von
Krankheiten und Wunden wird mit westlichen medizinischen
Techniken kombiniert.
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Schönheit von
Xishuangbanna
Ein Waldgebiet wich diesen üppigen
Reisfeldern in der südchinesischen Region
Xishuangbanna. Am südwestlichen Rand der
Provinz Yunnan Sheng, in der Nähe der Grenze
zu Myanmar und Laos gelegen, ist diese
subtropische Region von Gebirge und dichtem
Regenwald geprägt.
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