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Wie der Vater Michael Lorber, der mehrere
Musikinstrumente beherrschte und einer damals in ganz
Steiermark bekannten und beliebten Musikergesellschaft
als Kapellmeister vorstand, hatte auch sein Sohn Jakob
eine ausgeprägte musikalische Begabung, die ihn –
gepaart mit großem Fleiß – das Klavier-, Violin- und
Orgelspiel erlernen ließ. Im Violinspielen erlangte er
virtuose Fähigkeiten, die er in Graz, wo er von 1824 bis
zu seinem Tode am 24. August 1864 lebte,
als Solist in mehreren öffentlichen Konzerten, und auch
als Komponist einiger
Musikstücke,
unter Beweis stellte. Auch im
Zeichnen
erwarb er sich als Autodidakt beachtliche
Fertigkeiten. Nach dem Besuch des Gymnasiums bis zur
dortigen fünften Klasse und späterer Tätigkeit als
Hauslehrer absolvierte er, um sich eine Lebensstellung
zu sichern, mit gutem Erfolg eine Ausbildung zum
Hauptschullehrer. Als jedoch seine erste
Stellenbewerbung im Jahre 1830 erfolglos blieb, gab er
diesen Lebensplan wieder auf, widmete sich fortan ganz
der Musik und fand sein bescheidenens Auskommen als
privater Musiklehrer für Violine und Klavier und als
Klavierstimmer.
Am 15. März 1840 vernahm er beim Morgengebet „in der
Gegend des Herzens“ eine Stimme, klar und hell, die ihm
gebot: „Steh auf, nimm deinen Griffel und schreibe!“
Diesem geheimnisvollen Rufe gehorchend schrieb er die
folgenden Worte nieder: „So sprach der Herr zu mir
und in mir (Jakob Lorber) für
jedermann, und das ist wahr, getreu und gewiß: Wer mit
Mir reden will, der komme zu Mir, und Ich werde ihm die
Antwort in sein Herz legen. Jedoch die Reinen nur, deren
Herz voll Demut ist, sollen den Ton Meiner Stimme
vernehmen. Und wer Mich aller Welt vorzieht, Mich liebt
wie eine zarte Braut ihren Bräutigam, mit dem will Ich
Arm in Arm wandeln. Er wird Mich allezeit schauen wie
ein Bruder den anderen, und wie Ich ihn schaute schon
von Ewigkeit her, ehe er noch war.“
Lorber hatte zuvor gerade das unerwartete Angebot
erhalten, an der Oper in Triest die Stelle eines zweiten
Kapellmeisters zu übernehmen und schon alle
Reisevorbereitungen getroffen. Doch nach diesem ihn tief
erschütternden Ereignis entsagte er, jetzt schon im
40. Lebensjahr stehend, diesem verlockenden
Angebot und widmete sich fortan als „Schreibknecht
Gottes“, wie er sich zuweilen nannte, bis zu seinem
Lebensende der Niederschrift dessen, was er in sich
durch das „Innere Wort“ vernahm und als Stimme Jesu
Christi, das lebendige Wort Gottes empfand. Seinen oft
dürftigen Lebensunterhalt mußte er nun weiterhin als
Musiklehrer und Klavierstimmer verdienen, weil er sein
ansehnliches Erbteil seinem Bruder zum Existenzaufbau
leihweise überlassen hatte, aber zeitlebens nichts mehr
davon zurückerhielt.
Für den Gesamtinhalt der Niederschriften Lorbers hat
sich unter ihren Freunden seit langem die Bezeichnung „Neuoffenbarung“
(im Unterschied zur biblischen „Altoffenbarung“)
eingebürgert. Sie will die ursprüngliche und
vollständige Gottes-, Erlösungs- und Heilslehre,
deren Kenntnis Jesus zum Teil seinen Aposteln und
engsten Schülern vorbehalten mußte, den Menschen des
Industrie- und Informationszeitalters frei von
traditionellen und modernen Irrtümern und Entstellungen,
zusammen mit weiteren, erst den Menschen unseres
Zeitalters begreiflichen Enthüllungen zugänglich machen.
Das betrifft die im Mittelpunkt stehende Gottes- und
Heilslehre wie auch die Aufschlüsse über die geistige
Urschöpfung, den Entstehungsgrund und Zweck des
materiellen Universums sowie die Läuterung und
Weiterentwicklung irdischer Verstorbener in den
verschiedenen jenseitigen Sphären.
Die Neuoffenbarung macht uns auch wieder bekannt mit den
gesetzmäßigen Entsprechungen zwischen Dingen und
Vorgängen in der geistigen und in der natürlichen Welt
und dem rechten Verständnis ihrer Bildersprache. Die
Kenntnis der geistigen Entsprechungen, zur Zeit Jesu nur
noch wenigen Eingeweihten geläufig, ist der Schlüssel
zum wahren Verständnis des inneren Sinns vieler Texte
des Alten und Neuen Testaments, besonders des
Johannesevangeliums als des geistigsten (übrigens auch
in äußeren Dingen zuverlässigsten) der Evangelien, der
Geheimen Offenbarung des Johannes und auch zahlreicher
Texte der Neuoffenbarung.
Letztere bietet auch die beste Grundlage für eine
wirklichkeitsgerechte Verbindung von geistiger Religion
und wahrer Naturerkenntnis in einem Weltbild, in das die
schon in frühchristlicher Zeit verlorengegangene
kosmische Dimension und auch der Bereich des
Übersinnlichen (heute als Parapsychologie und Paraphysik
bezeichnet) wieder einbezogen sind. Auch in der Bibel
berichtete außergewöhnliche, gemeinhin als „Wunder“
bezeichnete Ereignisse und Taten, deren Tatsächlichkeit
zumeist geleugnet wird, verlieren durch die
Neuoffenbarung den traditionellen Nimbus des
unerklärlichen Mirakels, weil sie, auch für menschliche
Vernunft nachvollziehbar, einer höheren geistgelenkten
Naturgesetzlichkeit unterliegen. Christentum und
Wissenschaft, Schöpfungslehre und Entwicklungsgedanke,
Herzenserkenntnis und rationales Denken verbinden sich
in der Neuoffenbarung zu einem übereinstimmenden, an
kein konfessionelles Bekenntnis gebundenen Christentum.
Es vermag in Jesus Christus alle Menschen zu vereinen in
der Liebe zu Gott und tätiger Menschenliebe und Fürsorge
für die uns anvertraute Schöpfung.
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